Das größte Gestüt des Bezirks, der Trakehnerhof St. Vitus von Familie Lindemeir-Trippel in Günzburg, lud auch in diesem Jahr wieder zum traditionellen Fohlenmusterungstermin ein – und das Zuschauerinteresse war groß. Wo sonst bekommt man auch heute noch um die zwanzig Fohlen „am Stück“ zu sehen? Da der Termin am 26. Juli als Nachzuchtschau für den gestütseigenen Hengst ELANOLOS diente, war diesmal Frank Bangert als Zuchtrichter im Einsatz. Ihm zur Seite standen in Vertretung des Bezirksvorsitzenden sein Stellvertreter Jan Henrich Bartölke, Renate Steiner und Michaela Binder.

Beeindruckend war die gleichmäßig hohe Qualität der hier gezeigten Fohlen – immerhin stammen sie von vier verschiedenen Gestütshengsten und aus einer wahrlich erstaunlichen Bandbreite an Stutenmodellen. Alle präsentierten sich prima „im Lack“ und so manche über 20-jährige Stute mit beneidenswerter Zuchtleistung war in ihrem Elan kaum zu bremsen.

Den Anfang machten, wie immer, die Hengstfohlen, von denen das Gestüt neun präsentierte. Dazu gesellte sich ein Gastfohlen. Typvoll präsentierten sie sich samt und sonders, trotz unterschiedlichster Mütter mit zum Teil hohem Blutanteil. Auch die Körperkorrektheit der hier gezogenen Fohlen hat sich in den 30 Jahren der Zucht stetig zum Besseren hin weiterentwickelt.

Vier junge Hengste sollen hier herausgegriffen werden, die sich am Musterungstag hervorragend präsentieren konnten: Für eine Menge Ahs und Ohs im Publikum sorgte gleich als zweites Fohlen mit BELLE LENO ein (noch?) dunkelbrauner Sohn des Stationspaschas Prince Patmos. Mutter Belle de Jour v. Lossow entspringt der interessanten Anpaarung von Benedict N AA an die Vollblüterin Benelux xx aus der Vollblutfamilie, die bereits den Warendorfer Landbeschäler Bormio xx und den in Bayern geschätzten Belmont Park xx hervorbrachte. Belle Leno ist das siebte Fohlen in Folge der aparten Schimmelstute – und er konnte Kommission und Zuschauer mit Traumtyp, gutem Trab und gutem Galopp überzeugen.

Gleich zwei Söhne des Debütanten Elanolos aus gestütseigener Zucht vermochten mit Typklarheit und Spitzengalopp zu punkten, beide sind Füchse und aus Mount-Etna-xx-Töchtern gezogen. Das war mit WALDBLICK ein Sohn der Waldglück, die zum Vollblüter Halimey Go und Herzruf im Pedigree kombiniert. Zum anderen war das mit CZARDASELANO der Sohn der Czardasfürstin, die Mount Etna xx kombiniert mit Sedar, Friedensfürst und erneut Vollblut.

Spitzenstute Latona v. Lossow/Friedensfürst/Hyalit stellte schließlich mit LIEBCHEN’S MEISTER das vierte Topfohlen des Musterungstags, diesmal wieder von Prince Patmos, der hier eine ähnlich spät erkannte Karriere zu machen scheint wie sein Vorgänger Lossow. Der Meister sorgte mit seinem Antritt und Schub für die höchste Trabnote des Tages (9,0), obgleich das Richtergremium diesmal nicht unbedingt die Spendierhosen anhatte.

Nachdem man sich wie üblich bei Speis und Trank ausgiebig über die gesehenen Fohlen austauschen konnte, ging es mit den Stutfohlen weiter. Hier seien drei Fohlen herausgegriffen, die sich am Musterungstag überragend zu präsentieren wussten: Die beste Gesamtnote des Tages sicherte sich das Erstlingsfohlen der 5-jährigen Lavia v. Mount Etna xx, eng verwandt mit der oben bereits erwähnten Latona. LIEBCHENS HARMONIE verbindet also ihren Vater Prince Patmos mit einem guten Schuss Vollblut über Mount Etna xx und Sky Walker sowie der sicheren Rittigkeitsvererbung des langjährigen Stationspaschas Lossow – eine viel versprechende Kombination, die sich im für die Familie fast schon „üblichen“ Spitzentrab im Zusammenspiel mit sehr gutem Schritt und Galopp zeigte.

Lavias Mutter Leonida v. Sky Walker/Lossow/Friedensfürst präsentierte das nächste Topfohlen für die „Liebchen-Dynastie“: LIEBCHEN’S KRÖNUNG v. Prince Patmos, mit ihren gerade mal fünf Wochen das jüngste Fohlen des Platzes, überzeugte mit Typstärke und drei gleichmäßig sehr guten Grundgangarten.

Ihre Klasse stellte auch GRAFENKLASSE v. Mount Etna xx unter Beweis und meldete damit für das Gestüt St. Vitus erneut Ansprüche auf den Titel des besten Halbblutfohlens an. Mutter Grafenherz ist eine Lossow-Tochter aus der Gräfin-Dynastie mit angloarabisch geprägten Wurzeln. Typstärke und Trabvermögen ließen Kommissionsmitglied Jan Henrich Bartölke schwärmen, dass man ein derartiges Fohlen gern mal auf einer Auktion sehen würde.

Ein herzlicher Glückwunsch geht an Familie Lindemeir-Trippel, die hier in 30 Jahren züchterischer Arbeit „abseits vom Mainstream“ Jahrgang für Jahrgang hervorragende Fohlen stellen. Sicher im Namen aller Zuschauer auch ein herzliches Dankeschön für den wunderbaren Tag mit herrlichen Trakehner Fohlen, tollen Gesprächen und liebenswerter Gastfreundschaft.

Die gemusterten Fohlen im Einzelnen:

Galerie Hengstfohlen:

Galerie Stutfohlen: