Rosalind Canter und ihr Lordships Graffalo, Stallname „Walter“, haben Vielseitigkeitsgeschichte geschrieben: Zum dritten Mal hat dieses Paar in Badminton eine der schwersten Vielseitigkeitsprüfungen der Welt gewonnen.

Wir nehmen das und die Tatsache, dass allein vier Kinder des GRAFENSTOLZ und ein Sohn des SUMMER SONG aktuell in Badminton erfolgreich abgeschlossen haben, zum Anlass für einen kleinen Blick auf die erfolgreichsten drei.

Lordships Graffalo & Rosalind Canter

2023 holte das kleine Energiebündel aus Lincolnshire sich mit dem jetzt 14-jährigen GRAFENSTOLZ-Sohn den ersten Sieg. 2024 ließen die beiden Badminton wegen der Olympiavorbereitungen aus, kehrten aber 2025 als brillante Sieger zurück. Und 2026 toppten sie das Ganze mit dem dritten Sieg – etwas, was vorher noch niemandem in der langen Geschichte Badmintons gelungen ist.

Aufgewachsen auf dem elterlichen Hof, waren Ros Canter und ihre beiden älteren Schwestern von je her sportlich unterwegs: Sie spielte Hockey und – wie ihr Vater – Tennis, war zudem eine gute Läuferin. Und natürlich waren immer Ponys am Hof, mit denen sie an Wettbewerben im Ponyclub teilnahm.

Ihr erstes Pferd, Silver Curtis, brachte sie zur Vielseitigkeit. Nach ihrem schulischen Abschluss als Sportwissenschaftlerin ging sie vier Jahre zu Judy Bradwall – lernen, arbeiten und hart, hart, hart trainieren. Nach ihrer Rückkehr auf den Hof der Familie ging es dann steil bergauf mit ihrer Karriere im Sattel, Pferde wie Allstar B, Zenshera und Izilot DHI begleiteten den Weg in die Weltspitze. 2019 genehmigte sie sich eine kleine Pause – doch bereits einen Monat nach der Geburt ihrer Tochter Ziggy saß sie schon wieder im Sattel auf dem Turnier.

2022 dann war ihr damaliges Nachwuchspferd Lordships Graffalo mit der Feuerprobe in Badminton im Fünfstern-Bereich angekommen – schon damals kam der braune Wallach mit Dressurergebnis ins Ziel.

Über „Walter“s Vater GRAFENSTOLZ bei den Trakehnern noch Worte zu verlieren, hieße wohl Eulen nach Athen zu tragen. Seine Mutter Cornish Queen ist selbst aus der Anpaarung zweier international erfolgreicher Buschpferde entstanden: Vater Rock King v. Just A Monarch xx ging CIC2*, Mutter Cornish Faer v. Ben Faerie xx war wie ihr Halbbruder Cornish Envoy bis CCI4* unterwegs. Cornish Queens Nachzucht dürfte auch bei erfolgsverwöhnten Züchtern für anerkennende Pfiffe sorgen: Tochter Pencos Crown Jewel (*2009) v. Jumbo geht CCI5*, Sohn Lordships Graffalo (*2012) v. Grafenstolz zählt zu den besten Buschpferden der Welt und Tochter Lordships Parc Royale (*2013) v. Parco ist im Busch bis auf Dreisterne-Niveau erfolgreich.

Ab dann starteten Ros und „Walter“ ohne Punkt und Komma durch: Das Paar holte sich die Ehre, als nur eines von fünf Paaren in der Geschichte drei große Prüfungen in einem Jahr zu gewinnen, waren ebenfalls eines von nur fünf Paaren weltweit, die Badminton und die WM in einem Jahr gewinnen konnten, in Badminton legten sie mit sage und schreibe 15 Punkten den größten je gesehenen Abstand zwischen sich und das restliche Feld. 2024 vertraten die beiden Großbritannien bei Olympia und kehrten mit Gold heim, um fünf Wochen später auch Burghley zu gewinnen. 2025 war gekennzeichnet von einem erneuten Sieg in Badminton und einem grandiosen Sieg in Burghley – damals war Ros Canter bereits im sechsten Monat schwanger und ließ deshalb die EM sausen.

Nun schrieben die beiden mit ihrem dritten Sieg in Badminton erneut Geschichte. Dabei hielt sie sich selbst für „nicht vollständig fit“, nachdem sie erst im Januar zum zweiten Mal Mutter geworden war und Training und Turnier mit dem Stillen unter einen zeitlich passenden Hut bringen musste. „Meine Geländerunde hätte sicher nicht so perfekt ausgesehen, wenn ich nicht Walter unter dem Sattel gehabt hätte“, gibt sie denn auch freimütig zu und schickt gleich ein riesiges Dankeschön an ihr Team und vor allem ihre Mutter hinterher, die ihr den Rücken freihalten.

Lucy Latta & RCA Patron Saint

Ein Jahr älter als sein siegreicher väterlicher Halbbruder ist RCA Patron Saint und auch er ist in Großbritannien gezogen worden. Seine Mutter Summers Mist ist unbekannter Abstammung, aber züchterisch ein Volltreffer: Neben Patron Saint gehen RCA Royal Mist (*2012) im langen Dreisterne-Bereich und RCA Royal Summer (*2013) im kurzen Viersterne-Bereich international erfolgreich. Beide Halbgeschwister stammen v. Royaldik.

Lucy Latta, eine 29-jährige Irin aus der Nähe von Enniscorthy (Wexford), betreibt das Vielseitigkeitsreiten als reines Hobby – ihren Lebensunterhalt verdient sie als Vollzeitangestellte einer Softdrink-Firma. 2024 sorgten sie und ihr Patron Saint für eine Sensation, als sie bei ihrem Debüt in Badminton gleich Silber mit nach Hause nahmen. Im Gepäck hatten sie außerdem die William-Miflin-Trophy für das Paar, das der Optimumzeit am nächsten blieb, den SHB-Award für das bestplatzierte Pferd von einem SHB-anerkannten Vater (Grafenstolz) und den Preis für das bestplatzierte Pferd aus britischer Zucht.

Lucy Latta ist in Sachen Reiten genetisch vorbelastet: Ihr Großvater William Powell Harris kennt ebenso wie ihre Cousine und Trainerin Elizabeth Power das Pflaster in Badminton aus Teilnehmersicht. National Hunt Jockey Robert Power ist ihr Cousin, der irische Springreiter Con Power ihr Onkel, und auch ihr Bruder Andrew ist als Trainer im Pferdegeschäft tätig.

Lattas reiterliche Karriere begann schon im Ponyalter, wo die Goldmedaille bei der EM 2012 zu den Höhepunkten zählte. 2014 war sie mit Cleo Ferro Junioren-Europameisterin.

Nadja Minder & Toblerone

Der älteste unter den drei Top-Halbtrakehnern in Badminton ist wohl der mit den wenigsten Kilometern auf dem Tacho. Mit 19 Jahren ging der braune Wallach Toblerone zum ersten Mal in Badminton. „Es fühlt sich unwirklich an“, gibt die 26-Jährige aus Illnau im Zürcher Oberland (Schweiz) denn auch freimütig zu. „Von Badminton habe ich seit meiner Kindheit geträumt.“

Die Liebe zum Pferd hat sie eindeutig von ihrer Mutter geerbt, und „ohne Pferde gibt es mich nicht“ ist ihr Credo. Schon mit elf Jahren ging sie in Vielseitigkeitsprüfungen an den Start.

Mit Toblerone aus der Zucht von Familie Attiger und dem Besitz von Nicole Basieux gelang ihr in Badminton ein toller Einstand. Schon in der Dressur kassierten die beiden dreimal die Note 9 und respektable 30,3 Strafpunkte gesamt. Bekommen hat Nadja ihren „Schöggeli“ als Sechsjährigen und ihn sorgsam selbst bis zum jetzigen Stand aufgebaut. Sie charakterisiert ihr Spitzenpferd als „Lausbub, dem der Schalk im Nacken sitzt.“

Toblerones Vater YARLANDS SUMMER SONG, selbst 1995 unter der Französin Marie-Christine Duroy Achter in Badminton, ist ein Sohn des in Großbritannien renommierten Trakehners Fleetwater Opposition aus einer britischen Stute mit fast reiner Vollblutabstammung. Mutter Medelyne ist als Irish Sporthorse eingetragen, aber unbekannter Abstammung. Toblerones ältere Vollschwester Kalinka Song CH war bis CCI3*-L erfolgreich unterwegs.

Zu ihren außergewöhnlichen Hobbys zählt Nadja Minder ihre Einsätze als Pflegerin für den Schweizer Weltcup-Gespannfahrer Jerome Voutaz.