Liebe Trakehner Familie,

das Jahr 2020 war für alle von uns in vielerlei Hinsicht kein einfaches Jahr – auch in unserem Zuchtbezirk wurden wir vor Herausforderungen gestellt, von denen wir zu Beginn des Jahres nichts geahnt hatten.

Das Jahr begann noch recht fulminant mit einem stark besuchten Trakehner Wochenende auf Gut Ising. Die Kombination von TSF Lehrgang, Hengstschau, Züchterabend und Mitgliederversammlung bescherte uns kurz vor dem Lockdown noch eine wunderbare Veranstaltung im Kreise der Trakehner Familie. Die Kombination von Zucht und Sport ist uns gelungen und wir konnten neben verdienten Züchtern auch sporterfolgreiche Reiter unter uns begrüßen und für Ihre Erfolge auf Trakehner ehren.

Dass wir kurz darauf alle in den Lockdown mussten, war bereits abzusehen – nicht jedoch, wie wir unsere weiteren Veranstaltungen abhalten konnten. Dank der Flexibilität auf Seiten der Züchter aber auch der Ehrenamtler und des Ideenreichtums des Hauptamts konnten wir fast alle geplanten Projekte durchführen. Die Fohlenbrennreise führte uns dieses Jahr auf mehr Brennplätze als gewohnt, um das Zusammentreffen mehrere Haushalte möglichst zu umgehen. Umso erfreulicher, dass wir wieder eine hohe Anzahl an Fohlen für den Trakehner Verband registrieren konnten.

Ein Fohlenchampionat konnten wir aufgrund der Auflagen in diesem Jahr leider nicht durchführen, dafür trafen wir uns fast schon traditionell auf dem idyllischen Gut Schwaighof, um im historischen Ambiente der Parkanlage stimmungsvolle Verkaufsvideos zu erstellen. Gleich drei Kandidaten dieses Videotermins wurden für die Fohlenauktion in Münster angenommen.

Mit Spannung erwartet war der Stutenjahrgang, der zur Eintragung anstand. Um den Züchtern in diesen schwierigen Zeiten entgegen zu kommen, konnten wir in diesem Jahr situationsbedingt zwei zentrale Eintragungsplätze anbieten: einen in Thierhaupten auf der Anlage der Familie Meir und einen weiteren in Österreich auf der Anlage der Familie Mayer in Klausen – Leopoldsdorf. Beiden Eintragungen ging eine Stutenleistungsprüfung voraus. Meinen großen Dank möchte ich allen Ehrenamtlern für die hervorragende Organisation dieser beiden Veranstaltungen aussprechen. Es hat sich gezeigt, wozu die Trakehner Familie auch in schwierigen Zeiten in der Lage ist! Chapeau! Überdies bestand in diesem Jahr die Möglichkeit, Stuten „dezentral – zentral“ eintragen zu lassen. Alles in allem haben diese vielfältigen Möglichkeiten dazu geführt, dass wir eine hohe Anzahl v.a. älterer Stuten eintragen konnten. Im Rahmen eines Termins zur „dezentralen – zentralen“ Eintragung wurde der Körkommission auch der Vollblüter ATILLIO xx (V. Lawman xx) aus dem Besitz von Norbert Wallochny vorgestellt und gekört. Der Sommer brachte kurzfristig Lockerung in das Geschehen und ermöglichte das eine oder andere Turnier, sodass wir auch in diesem Jahr wieder Trakehner Champions küren konnten.

Lange wurde von allen Seiten spekuliert, ob und falls ja wie das Jahreshighlight in Neumünster durchgeführt werden kann – der Trakehner Hengstmarkt! Um es gleich vorweg zu nehmen: Dank dem unermüdlichen Einsatz des Haupt- und Ehrenamts aber auch Dank des Vertrauens der Beschicker dieses Hengstmarkts in diese Veranstaltung konnten wir einen anderen, aber durchaus sehr gelungene Hengstmarkt besuchen. Und was war das für ein Feuerwerk, dass unser Zuchtbezirk dort abgefeuert hat:

  • Trakehner Hengst des Jahres: Elitehengst HIBISKUS (v. Latimer – Hohenstein) im Besitz der BG Caspar/Raili aus Bayern
  • Trakehner des Jahres: TSF DALERA BB (v. Easy Game – Handryk) unter dem Sattel von Jessica von Bredow – Werndl aus Bayern
  • Trakehner Züchter des Jahres: Simone Lindemeier-Trippel -Gestüt St. Vitus- aus Bayern
  • Bester Halbbluthengst, Bester Springhengst: OSTERWUNDER (v. Pagur ox – Lichtblick) im Besitz von Norbert Wallochny, Bayern
  • SINATRA (v. Honoré du Soir a.d. – Herzruf) aus der Zucht und dem Besitz von Andrea Weiß, Österreich
  • SAMBA (v. Millennium – Münchhausen) aus der Zucht und dem Besitz von Georg Stadler, Bayern, die in verheißungsvolle Hände in Großbritannien zugeschlagen wurde

Das Jahresende beschloss ein Sonderkörtermin für einen Hengst mit wahrhaftig exquisiter Genetik: CORNUT (v. Heops – Inster Graditz) aus der Zucht und dem Besitz von Hans Ernst Wezel aus Schralling, der bereits seinen 50 Tage Test mit einer Gesamtnote von 8,55 beendet hat. Was für ein erfreulicher Schlusspunkt unter diesem nicht ganz einfachen Jahr.

Ich bin der Meinung, dass wir alle auf die Ergebnisse und Errungenschaften unserer Trakehner in diesem Jahr sehr stolz sein dürfen. Sicherlich lief einiges nicht so rund, sicherlich wissen wir im Nachhinein, was wir besser machen hätten können. Sicher weiß ich aber auch, wie dankbar ich für die Unterstützung aller Ehrenamtler aber auch aller Freunde und Förderer in der Trakehner Familie bin. Einmal mehr habe ich gefühlt, dass wir hier nicht nur einfach Pferde züchten – in der Trakehner Familie geht es um mehr: Wir halten zusammen, wir freuen uns für einander, wir streiten auch mal und reiben uns aneinander! Versöhnt wird sich Gott sei Dank in den meisten Fällen wieder. Ein Zitat, dass dem Alt – Bundeskanzler Helmut Schmidt zugeschrieben wird, bringt es auf den Punkt: „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle in diesem Jahr unseren guten Charakter bewiesen haben. Und ich freue mich schon jetzt auf viele weitere, hoffentlich wieder einfachere Jahre im Kreise der Trakehner Familie.

Ihnen allen und Ihren Familien wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie Gesundheit und Zuversicht für das neue Jahr! Bleiben Sie gesund!

Herzlichst Ihr,

Dr. Albert Raith